
Gedanken zu Pfingsten
«Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der EWIGE Zebaoth.»
Diese Zeilen lesen wir im Buch des Propheten Sacharja. Im ersten Teil dieses Buches schildert der Prophet Nachtgesichte, Visionen. In ihnen geht es um den Wiederaufbau des Tempels nach dem Exil. Und da hören wir eben dieses Gotteswort: Der Aufbau des Tempels soll nicht durch menschliche Kraft und Macht geschehen, er kann nur und einzig durch Gottes Geist erfolgen.
Natürlich wurde der Tempel von Menschenhand erbaut, so wie alle anderen monumentalen Gebäude dieser Erde. Aber der Gedanke dahinter, so vermute ich, ist dieser: Keine Kraft dieser Welt, keine Macht dieser Erde vermag irgendetwas zu bewerkstelligen, wenn nicht Gottes Geist dabei ist.
Während ich diese Zeile schreibe, fallen (unter anderem!) im Nahen Osten Bomben. Drohnen und Raketen bringen Verwüstung, Tod und Schrecken. Und dies, weil einige wichtige Staatsmänner der Meinung sind, mit Heer und Kraft und Macht irgendetwas erreichen zu können. Sie stiften Tod, Unfrieden, Unruhe, Angst, Schrecken und Unsicherheit und zerstören damit eine regelbasierte Weltordnung, die die Kriegs- und Nachkriegsgeneration mühsam errungen hat. Statt einander mehr zu verstehen, nimmt eine babylonische Sprachverwirrung zu, so scheint es mir.
Und ich frage mich, ob wir nicht dringend wieder ein Pfingstwunder brauchen, ein Schlüsselerlebnis, das gegenseitiges Verstehen möglich macht, das fähig macht, dass wieder zugehört und geredet wird statt Macht zu demonstrieren.
Pfingsten erinnert mich daran, dass Gottes Geist unverhofft wirkt. Und so hoffe ich, dass Gott uns allen – egal, wer wir sind und was wir glauben – seinen guten Geist gibt, einen Geist, der zu Völkerverständigung führt und Kriege und «militärische Spezialoperationen» überflüssig macht.
Ich gebe diese Hoffnung nicht auf.
In dem Sinne: Frohe Pfingsten!
Sabine Wälchli, Pfarrerin